Synthetisches Glück


“Freedom is the friend of natural happiness, but freedom is the enemy of synthetic happiness.” sagte der Harvard-Psychologe Dan Gilbert auf der TED-Konferenz im Jahr 2006 (http://www.ted.com/talks/view/id/97). „Natürliches“ Glück ist der Effekt, der entsteht, wenn Menschen bekommen, was sie wollen. „Synthetisches“ Glück ist das, was sie empfinden, wenn sie nicht das bekommen, was sie wollen – aber mit der zweiten Wahl auch zufrieden sind, sozusagen ein konstruiertes Glück. Nach empirischen Studien hat aber auch das einen positive Effekte auf den Menschen. Das Problem der Freiheit ist, dass wir solange denken eine andere Option hätte uns eventuell glücklicher gemacht, dass wir ganz unglücklich werden. Dazu gehört auch, dass der Kauf von Gütern im Nachhinein von vielen Menschen als negativ beurteilt und bereut wird – was die Menschen eventuell unglücklicher macht, als wenn sie ihre Entscheidung akzeptieren würden. Deshalb: Kassenbelege wegwerfen.

Neugier

Der amerikanische Nobelpreisträger für Chemie, Linus Carl Pauling, sagte einmal „Satisfaction of one’s curiosity is one of the greatest sources of happiness in life“. Unsere Neugier bestimmt hochgradig unseren biologisch basierten Motivations- und Belohnungsmechanismus, welcher zentral für unsere allgemeine Lebenszufriedenheit ist. In vielen Studien konnte dieser Zusammenhang auch empirisch gezeigt werden (u.a. Naylor 1981; Park et al. 2004; Vittersø 2003; Wanberg und Kammeyer-Mueller 2000 (siehe Peterson, C; Ruch, W; Beermann, U; Park, N; Seligman (2007): Strengths of character, orientation to happiness, and life satisfaction. The Journal of Positive Psychology, 2(3):149-156.)) – neugierige Menschen sind im Allgemeinen glücklicher als andere. Eine Studie von Todd B. Kashdan und Michael F. Steger (2007) fand außerdem, dass Studenten an Tagen an denen Sie sie besonders neugierig sind auch glücklicher sind. Also: Sendung mit der Maus (dauert auch genau eine halbe Stunde!).

Arbeit

Viele Menschen verbringen mit der Arbeit täglichen einen Großteil ihrer Zeit. Deshalb ist es für unsere allgemeine Lebenszufriedenheit so enorm wichtig, dass wir uns mit ihr identifizieren und von ihr angemessen herausgefordert fühlen. „Attitudes and practices developed in one sphere of life can spill over into another – killing time at work can become killing time in leisure, apathy in work place can become apathy in politics, alienation from one, alienation from the other“ (Wilensky, 1960, S. 545). In empirischen Studien zeigt sich fast immer eine hohe Korrelation zwischen Arbeits- und Lebenszufrieden (siehe Judge, T.A. und Watanabe, S. (1994): Individual differences in the nature of the relationship between job and life satisfaction. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 67, 101-107.)

Fernsehen

Die Deutschen saßen im Jahr 2007 im Durchschnitt 221 Minuten pro Tag vor dem Fernseher – in den neuen Bundesländern 223 Minuten, im Westen nur 195 Minuten. Viel zu viel nach den Erkenntnissen der Glücksforschung. Individuen überschätzen systematisch den Nutzen, den Sie aus Fernsehen ziehen und bereuen im Nachhinein die Zeit die Sie damit verbracht haben. Empirische Analysen zeigen, dass Menschen, die weniger als eine halbe Stunde pro Tag vor dem Fernseher verbringen glücklicher als alle anderen Vergleichsgruppen sind (siehe Frey, B. (2008): Happiness – A revolution in Economics, Kapitel 9: Watching Television. MIT Press). Also: Fernsehen mit der Uhr.

Religion

Religiöse Menschen sind glücklicher. In einer Befragung unter 160 000 Personen in Europa (Inglehart, R. (1990): Culture Shift in Advanced Industrial Society. Princeton University Press) waren von den wöchentlichen Kirchengängen 85% „sehr zufrieden“ mit ihrem Leben, aber nur 77% von denen die niemals in die Kirche gingen. Warum das so ist? Dafür haben Psychologen drei mögliche Antworten: 1) Soziale Kontakte: Gemeinsame Erfahrungen und Gruppenzusammenhalt. 2) Solide Werte: Ein Ziel und Sinn im Leben. 3) Religion selber: Der Glaube hilft bei persönlichen Katastrophen wie Jobverlust oder Scheidung. Also: Weihnachten in der Kirche.